Tinharé - wir sind auf der Insel angekommen! Beim Näherkommen hatten sich aus den grünen, übereinander geklecksten Tönen, einige bunte Häuser geschält, wir durchschritten ein Tor, ein sehr steiles, kurzes Gässchen führte empor, zur kleinen Kirche hin, die schon aus der Ferne sichtbar war. Carlos hatte uns mit einer Schubkarre am Fähranleger abgeholt, lud unser Gepäck auf, und erzählte uns, noch außer Atem nach dem steilen Anstieg, die ersten Inselgeschichten. Noch einige Meter, an der Fonte Grande und der ältesten Pousada Morros, in der schon Don Petro (der letzte König von Brasilien) abgestiegen war, vorbei, durch ein leicht abschüssiges Gässchen mit Bäckerei, Fleischerei und Internetshop, bevor wir bei Negao ankamen. Negao ist der "Hausesel", ein übliches Transportmittel in Morro de Sao Paulo, dem Hauptort der Insel. Tagsüber dürfen die Esel nicht durch die Gassen geführt werden und müssen am Dorfrand warten. Unser Gepäck wurde in Negaos Tragekörbe umgeladen und mit einem Klaps versehen machte er sich auf den Weg. Der anfängliche Trab mündete in einem raschen Galopp. Carlos lachte und meinte: "Er kennt den Weg nach Hause", ich machte mir eher Gedanken um die dem wild gewordenen Esel entgegenkommenden Menschen auf schmalem Pfad, die nur zwei Möglichkeiten hatten: ins Gebüsch, oder über die Klippe....
Montag, 19. September 2011
Tinharé - auf der Atlanikinsel
Tinharé - wir sind auf der Insel angekommen! Beim Näherkommen hatten sich aus den grünen, übereinander geklecksten Tönen, einige bunte Häuser geschält, wir durchschritten ein Tor, ein sehr steiles, kurzes Gässchen führte empor, zur kleinen Kirche hin, die schon aus der Ferne sichtbar war. Carlos hatte uns mit einer Schubkarre am Fähranleger abgeholt, lud unser Gepäck auf, und erzählte uns, noch außer Atem nach dem steilen Anstieg, die ersten Inselgeschichten. Noch einige Meter, an der Fonte Grande und der ältesten Pousada Morros, in der schon Don Petro (der letzte König von Brasilien) abgestiegen war, vorbei, durch ein leicht abschüssiges Gässchen mit Bäckerei, Fleischerei und Internetshop, bevor wir bei Negao ankamen. Negao ist der "Hausesel", ein übliches Transportmittel in Morro de Sao Paulo, dem Hauptort der Insel. Tagsüber dürfen die Esel nicht durch die Gassen geführt werden und müssen am Dorfrand warten. Unser Gepäck wurde in Negaos Tragekörbe umgeladen und mit einem Klaps versehen machte er sich auf den Weg. Der anfängliche Trab mündete in einem raschen Galopp. Carlos lachte und meinte: "Er kennt den Weg nach Hause", ich machte mir eher Gedanken um die dem wild gewordenen Esel entgegenkommenden Menschen auf schmalem Pfad, die nur zwei Möglichkeiten hatten: ins Gebüsch, oder über die Klippe....
Nachtflug
Die blauen Begrenzungslichter der Flugbahn huschen immer schneller an uns vorbei. Während das Flugzeug noch holpernd den Boden unter uns fühlen lässt, warte ich auf den Moment des Abhebens, des sich Loslösens aus dem heimatlichen Element. Noch immer führt das Fliegen zu einer Mischung aus Aufregung und Ungläubigkeit in mir. Wie kann es sein, dass wir Menschen uns aus unserer Erdverbundenheit lösen und in die Lüfte erheben, gerade so als wären wir gefiedert? Wie kann es sein, dass so viel Technik ersonnen wurde, und dies für uns Menschen überhaupt möglich wurde? Ist es richtig, sich in diesem fremden Element zu bewegen, ist es zu wagen, sich ihm anzuvertrauen? Und was wäre alles nicht möglich, hätte es diese Entwicklung nicht gegeben? Heute setzen wir uns in die eisernen Vögel und sind innerhalb weniger Stunden an den entlegensten Ecken dieser Welt.
Körperlich - die Seele braucht Zeit, um nachzukommen. Ich habe es bei unserer Heimkunft nach Deutschland gemerkt. In den ersten Tagen, jeden Morgen, beim langsamen Aufwachen, in diesem geheimnisvollen Zwischenraum zwischen Wachheit und Schlaf, meinte ich mich noch in Salvador zu befinden. "Mist, heute fliegen wir nach Hause" war der erste Gedanke, dann so allmählich mit einem ersten, kurzen Blinzeln, die unsichere Frage "Wo bin ich?" und "Wohin ging erst kürzlich dieser lange Flug, das kann doch nicht von Belo Horizonte nach Salvador gewesen sein!" Und dann, ganz langsam dämmerte mir: "Du bist ja schon da, wieder zu Hause angekommen!" Nein, ich war noch nicht da, nicht wirklich, noch lange nicht!

Es war anders, als wir mit dem Auto im Minas Gerais und der Chapada Diamantina unterwegs waren. Wir konnten sehen, wie sich die Landschaft veränderte, Orte zogen an uns vorüber. Wir befuhren mit Menschen bevölkerte Straßen, konnten ihre Häuser sehen, Hunde und Katzen in den Gassen, Tiere auf der Weide, verendete Kühe am Straßenrand, besorgt lodernde Buschfeuer beobachten. Bekanntes mischte sich mit Unbekanntem, Vertrautes mit Befremdlichen. Wir konnten unsere Fahrtroute wählen, konnten anhalten, wo wir wollten....
Am Morgen nach dem Abend mit den blauen Lichtern, bestiegen wir ein Schiff, um übers Meer auf die Insel zu fahren....
Körperlich - die Seele braucht Zeit, um nachzukommen. Ich habe es bei unserer Heimkunft nach Deutschland gemerkt. In den ersten Tagen, jeden Morgen, beim langsamen Aufwachen, in diesem geheimnisvollen Zwischenraum zwischen Wachheit und Schlaf, meinte ich mich noch in Salvador zu befinden. "Mist, heute fliegen wir nach Hause" war der erste Gedanke, dann so allmählich mit einem ersten, kurzen Blinzeln, die unsichere Frage "Wo bin ich?" und "Wohin ging erst kürzlich dieser lange Flug, das kann doch nicht von Belo Horizonte nach Salvador gewesen sein!" Und dann, ganz langsam dämmerte mir: "Du bist ja schon da, wieder zu Hause angekommen!" Nein, ich war noch nicht da, nicht wirklich, noch lange nicht!
Am Morgen nach dem Abend mit den blauen Lichtern, bestiegen wir ein Schiff, um übers Meer auf die Insel zu fahren....
High Noon in Ouro Preto
Ihr werdet es sicher schon erraten haben, inzwischen sind wir längst zu Hause, nur die Seele und das Schreiben braucht noch seine Zeit um nachzukommen. Und so mache ich nun wieder einen Salto rückwärts, gedanklich zurück ins Minas Gerais, dieser Bergbaugegend, die einen sagenhaften Reichtum an Bodenschätzen zutage förderte.
Es ist zwölf Uhr mittags. Ich befinde mich immer noch in der von meinem Bauch verordneten Entschleunigungsphase. In mein leichtes Hinwegdösen, schlägt die erste Glocke den Ton an, ein beschaulicher Bass, es könnte ein Glockengroßvater mit weißem, wallenden Haar und einer Pfeife im Mundwinkel sein. Da fällt ihr plötzlich eine helle, munter und beschwingt klingende Glockin ins Wort, so als würde sie jeden Moment lostanzen, dann kommt eine dazu, die klingt, als hätte sie einen Sprung in der Schüssel, pardon, der Glocke, - und dann bricht ein wahres Inferno los. Das Konzert, der Wettstreit in seiner tiefsten Bedeutung ist eröffnet. All die Glocken der rund um uns, häufig auf Hügeln erbauten Kirchen, fallen in das allgemeine Gerangel um Aufmerksamkeit ein, keine denkt daran, ihre Individualität abzulegen und sich in den Klang der Gemeinschaft einzufügen. Töne und Rhythmen sind in einer ungeordneten Symphonie verfangen, es klingt wie ein tosender Kampf, bis das Geläut, scheinbar ermüdet, sich wieder vereinzelt. Ein letztes ermattetes Aufseufzen, der Glockenwettkampf scheint auszulaufen, wie eine Welle, die sich am Strand verliert - doch nein, dem letzten, langsamen Ton folgt ein zweiter, nach einer gebührlichen Pause ein dritter, dann stimmt ein schnelles hohes Glöcklein mit ein, im Hintergrund folgt ein tiefes gelassenes Gong, Gong der Lautspur, bis sich wieder alle in diesem brausenden, berauschenden Klangmeer vereinigt haben. Ein Auf und Ab, ein sich gegenseitig in Ekstase treiben und in der Ermattung ausklingen wiederholt sich unzählige Male, mindestens eine viertel Stunde lang sind wir Ohrenzeugen, dieser orgiasitschen Verausgabung, bis dann tatsächlich der letzte Ton erklingt.
Genauso, sinnesberauschend wie für unsere Ohren, bietet sich unseren Augen an, was die barocke Innenwelt der Kirchen beherbergt. Es ist nicht zu übersehen, dass hier recht "unheilige, irdische" Schiffsbauer zu Werke gegangen sind. Manche Proportionen sind verblüffend gedrungen und würden weniger zu Engeln oder Heiligen passen, als zu den Matrosen der Segler, die aus Portugal, Schiff um Schiff den Marmor für die Kirchen und die Repräsentationsgebäude herbeischifften. Es muss zu Zeiten der "hilfreichen Winde" ein außerordentlich reger Schiffsverkehr geherrscht haben. Atlanten, als würden sie ein Schiffsbug durch die Wellen tragen, schauen gelangweilt auf uns hernieder, die himmlischen Putten haben kurioserweise pralle Brüste, füllige Barockengel schwelgen in den Baldachinen der Gotteshäuser und in den Himmelsgestaden. Weintrauben wirken wie Brombeeren, oder für manche Augen auch wie Handgranaten. Und zwischen allem glänzt eine verschwenderische Goldschicht. Während Menschen wohlgenährt, aber wohl doch bangend, was sie im Jenseits erwarten wird, die Hände himmelwärts ringen, thront über alle dem die dunkelhäutige Gottesmutter. Und wenn man genau hinsieht, bemerkt man, dass auch die lieben Engelein dunkelhäutig sind, das war Revolte in die Kirche getragen...! Andererseits finden wir auch einen Schwarzen niedergedrückt, auf dem, was war es denn noch, ein Apostel? oder ein Bischof? steht, klerikale Legitimation für die sichtbare Unterdrückung der Sklaven. Und es gibt auch hier eine "Schwarze Madonna" - sie ist die Schutzpatronin Brasiliens. Interessanterweise auch hier Spuren der in die Kirchen geholten alten Göttinnen.
Zur brasilianischen Schutzmadonna wusste Isabella eine Legende zu erzählen. Hierzu habe ich einen Artikel im Internet gefunden, allerdings ohne Isabellas Ergänzung, dass sich die Fischer in größter Not befanden, weil die Paulistos damit gedroht hatten, das Dorf niederzubrennen, wenn sie keine Fische bringen würden..., nun nachdem zuerst der tönerne Leib, dann der Kopf geborgen war, kamen die lieben Fischlein hinterher und alle Not hatte ein Ende, so wie es halt in Legenden und Märchen ist.
Die Stadt Aparecida do Norte befindet sich in der Provinz von Sao Paolo in Brasilien. Sie beherbergt das berühmteste Marienheiligtum Brasiliens, die Basilika der Unbefleckten Jungfrau, Unsere Liebe Frau von Aparecida, der heiligen Schutzpatronin Brasiliens.
Seither wird Unsere Liebe Frau von Aparecida, Unbefleckte Empfängnis, in der brasilianisch-christlichen Tradition, als Schutzpatronin schwangerer Frauen und Neugeborener und als Schutzfrau der Meere und Flüsse, verehrt. Viele Gnaden wurden erhalten, als im Laufe der Jahre, die Verehrung der Unbefleckten Jungfrau „Aparecida" immer mehr zunahm. 1737 liess der Vikar von Guaratingueta eine Kapelle für die Gläubigen errichten.
Es ist zwölf Uhr mittags. Ich befinde mich immer noch in der von meinem Bauch verordneten Entschleunigungsphase. In mein leichtes Hinwegdösen, schlägt die erste Glocke den Ton an, ein beschaulicher Bass, es könnte ein Glockengroßvater mit weißem, wallenden Haar und einer Pfeife im Mundwinkel sein. Da fällt ihr plötzlich eine helle, munter und beschwingt klingende Glockin ins Wort, so als würde sie jeden Moment lostanzen, dann kommt eine dazu, die klingt, als hätte sie einen Sprung in der Schüssel, pardon, der Glocke, - und dann bricht ein wahres Inferno los. Das Konzert, der Wettstreit in seiner tiefsten Bedeutung ist eröffnet. All die Glocken der rund um uns, häufig auf Hügeln erbauten Kirchen, fallen in das allgemeine Gerangel um Aufmerksamkeit ein, keine denkt daran, ihre Individualität abzulegen und sich in den Klang der Gemeinschaft einzufügen. Töne und Rhythmen sind in einer ungeordneten Symphonie verfangen, es klingt wie ein tosender Kampf, bis das Geläut, scheinbar ermüdet, sich wieder vereinzelt. Ein letztes ermattetes Aufseufzen, der Glockenwettkampf scheint auszulaufen, wie eine Welle, die sich am Strand verliert - doch nein, dem letzten, langsamen Ton folgt ein zweiter, nach einer gebührlichen Pause ein dritter, dann stimmt ein schnelles hohes Glöcklein mit ein, im Hintergrund folgt ein tiefes gelassenes Gong, Gong der Lautspur, bis sich wieder alle in diesem brausenden, berauschenden Klangmeer vereinigt haben. Ein Auf und Ab, ein sich gegenseitig in Ekstase treiben und in der Ermattung ausklingen wiederholt sich unzählige Male, mindestens eine viertel Stunde lang sind wir Ohrenzeugen, dieser orgiasitschen Verausgabung, bis dann tatsächlich der letzte Ton erklingt.
Zur brasilianischen Schutzmadonna wusste Isabella eine Legende zu erzählen. Hierzu habe ich einen Artikel im Internet gefunden, allerdings ohne Isabellas Ergänzung, dass sich die Fischer in größter Not befanden, weil die Paulistos damit gedroht hatten, das Dorf niederzubrennen, wenn sie keine Fische bringen würden..., nun nachdem zuerst der tönerne Leib, dann der Kopf geborgen war, kamen die lieben Fischlein hinterher und alle Not hatte ein Ende, so wie es halt in Legenden und Märchen ist.
Unsere Liebe Frau von Aparecida
Warum trägt Unsere Liebe Frau der Unbefleckten Empfängnis den Namen „Aparecida" (die Erschienene)?
Alles beginnt im XVIII. Jahrhundert, als einige Fischer, die wie gewöhnlich ihre Netze, in den sich in der Nähe von Sao Paolo befindlichen Fluss namens Paraiba auswerfen, an einem Tag des Jahres 1717, eine Statue ohne Kopf aus dem Wasser ziehen ... Nachdem sie ihre Netze weitere Male ausgeworfen haben, kommt auch der Kopf zum Vorschein. Es ist eine schwarze Madonna ... Die Legende erzählt, dass die zarte Statue der Heiligen Jungfrau plötzlich so sehr an Gewicht zunahm, dass man sie nicht mehr vom Platz bewegen konnte. Seither wird Unsere Liebe Frau von Aparecida, Unbefleckte Empfängnis, in der brasilianisch-christlichen Tradition, als Schutzpatronin schwangerer Frauen und Neugeborener und als Schutzfrau der Meere und Flüsse, verehrt. Viele Gnaden wurden erhalten, als im Laufe der Jahre, die Verehrung der Unbefleckten Jungfrau „Aparecida" immer mehr zunahm. 1737 liess der Vikar von Guaratingueta eine Kapelle für die Gläubigen errichten.
Samstag, 3. September 2011
Im Haus der Dona Elides
Es sind nur eine Quer- und eine Längsgasse, die das winzige Bergdorf Conceicao dos Gatos (Empfängnis der Katzen) durchziehen. Dort wo die Quergasse auf die Längsgasse trifft, steht die kleine Kirche des Ortes, die von einigen Frauen betreut und instand gehalten wird. Sie ist lustigerweise der Maria der unbefleckten Empfängnis geweiht. Allerdings hat der Pfarrer bei der Einsegnung die Marienstatue kurzerhand entführt und eine neue Madonna musste das Gotteshaus beziehen.
Es mögen vielleicht hundert oder zweihundert Menschen hier leben. Die meisten Jungen sind gegangen, auf der Suche nach Arbeit und Auskommen in den größeren Städten, geblieben sind die Alten und einige Kinder, die von ihren Großeltern erzogen werden. André ist auch eines dieser Kinder. André war der "Scout" von Frank und Nikolas, als sie mit dem Auto in dem kleinen Ort ankamen, während wir noch im Busch unterwegs waren. Er brachte sie ins Haus von Dona Elides. André mag vielleicht 10 Jahre alt sein. Später erfuhren wir über ihn, dass sein Vater die Familie verlassen hatte und die Mutter gestorben ist. Nun lebt er bei einer Tante und kommt immer wieder zu den Enkeln von Dona Elides, um mit ihnen Fussball zu spielen, sie besitzen den einzigen Fussball im Dorf. Von Salvador aus werden wir ihm noch einen Ball per Post schicken, den wir als Geschenk für die Waisenkinder von Marina im Gepäck hatten. Nun wird er umgewidmet, für ein elternloses Kind in den Bergen der Chapada Diamantina. Wir hoffen, André einen Glücksmoment bescheren zu können, wenn er das unerwartete Päckchen mit der beigelegten, feinen, eng beschriebenen europäischen Karte öffnet.... .
Dona Elides und Seu Messias sind die "großen Eltern" in unserem "Gasthaus". Elides ist 75 Jahre alt, hat 16 Kinder geboren, von denen 10 am Leben geblieben sind und ist trotz ihrer kleinen, schmalen Gestalt die "große Mutter" des Hauses, eine echte Matriarchin. ArDaga sagt von ihr, dass sie immer umher flirrt wie ein Kolibri, selten einmal, dass man sie irgendwo sitzen sieht. Messias ist ruhig und freundlich. Morgens ist er der erste der aufsteht, um vier Uhr kocht er sich Kaffee. Dadurch, dass die Wände nicht bis unters Dach gemauert sind und so jeder Raum mit den anderen verbunden ist, zieht noch weit in der Dunkelheit, vor den ersten Hahnenschreien, Messias' Kaffeeduft durchs ganze Haus. Danach geht er mit seinem Esel auf die Weide und ist wieder da, als wir um sieben den Garten durchstreifen, um nach den Vögeln Ausschau zu halten, die uns ein Morgenkonzert voller Klangfarben dargebracht haben. Stolz zeigt er uns all die Früchte und Tiere, die sich in seinem Garten aufhalten.
Wir sind in dieser Familie "mittendrin", jedes Wort ist zu hören, wenn auch nicht zu verstehen, jeden Lichtschein sieht man und durch die offene Bauweise. Auch die Ziegel sind nur auf eine Holzlattung aufgelegt und so hört man auch von draußen jedes Geräusch. Es wird hier früh zu Bett gegangen, nur noch ein, zwei Cachaca beim freundlichen, zahnlosen Wirt nebenan und wir sinken in unsere Betten. Die Geräusche, drinnen wie draußen werden allmählich leiser und führen in die Nacht, genauso wie sie am Morgen, angeführt von den ersten Hahnenschreien, noch in völliger Dunkelheit wieder aus den Träumen locken.
Auch hier, bei Dona Elides werden wir aufs Beste bewirtet. Zwei ihrer Töchter sind angereist um ihrer Mutter bei unserer Bewirtung zu helfen. Wir haben während unserer gesamten Reise viele gute Restaurants gesehen, lecker gegessen, doch nichts lässt sich damit vergleichen, bei Dona Elides am großen Esstisch in der Küche von all den Köstlichkeiten zu speisen, die sie in überreicher Menge für uns gekocht hat. Diese Bilder und ihren Segen werden wir in einem ganz tiefen Winkel unseres Herzens aufbewahren.
Es mögen vielleicht hundert oder zweihundert Menschen hier leben. Die meisten Jungen sind gegangen, auf der Suche nach Arbeit und Auskommen in den größeren Städten, geblieben sind die Alten und einige Kinder, die von ihren Großeltern erzogen werden. André ist auch eines dieser Kinder. André war der "Scout" von Frank und Nikolas, als sie mit dem Auto in dem kleinen Ort ankamen, während wir noch im Busch unterwegs waren. Er brachte sie ins Haus von Dona Elides. André mag vielleicht 10 Jahre alt sein. Später erfuhren wir über ihn, dass sein Vater die Familie verlassen hatte und die Mutter gestorben ist. Nun lebt er bei einer Tante und kommt immer wieder zu den Enkeln von Dona Elides, um mit ihnen Fussball zu spielen, sie besitzen den einzigen Fussball im Dorf. Von Salvador aus werden wir ihm noch einen Ball per Post schicken, den wir als Geschenk für die Waisenkinder von Marina im Gepäck hatten. Nun wird er umgewidmet, für ein elternloses Kind in den Bergen der Chapada Diamantina. Wir hoffen, André einen Glücksmoment bescheren zu können, wenn er das unerwartete Päckchen mit der beigelegten, feinen, eng beschriebenen europäischen Karte öffnet.... .
Wir sind in dieser Familie "mittendrin", jedes Wort ist zu hören, wenn auch nicht zu verstehen, jeden Lichtschein sieht man und durch die offene Bauweise. Auch die Ziegel sind nur auf eine Holzlattung aufgelegt und so hört man auch von draußen jedes Geräusch. Es wird hier früh zu Bett gegangen, nur noch ein, zwei Cachaca beim freundlichen, zahnlosen Wirt nebenan und wir sinken in unsere Betten. Die Geräusche, drinnen wie draußen werden allmählich leiser und führen in die Nacht, genauso wie sie am Morgen, angeführt von den ersten Hahnenschreien, noch in völliger Dunkelheit wieder aus den Träumen locken.
Donnerstag, 1. September 2011
Eintauchen - und mit allen Wassern gewaschen werden
Der Wasserfalltag ist ein Traum - und doch gibt es einen der Fälle, der die Schönheit der anderen noch übertrifft.
Was ist Schönheit?!
Sicher haben wir Menschen unterschiedliche Vorstellungen von Schönheit und doch scheint es ein allgemein gültiges Empfinden für Schönheit zu geben, das die Menschen verbindet. Eine Schönheit die eine innere Harmonie erzeugt, die nicht messbar ist, oder an äusseren Parametern festgemacht werden kann. Sie führt zu diesem Zustand, der sich mit Ganzheit und Heilsein umschreiben lässt und den Henry Miller folgendermaßen beschrieben hat:
In Epidaurus, in der Stille, in dem großen Frieden,
der über mich kam, habe ich den Herzschlag der Welt gefühlt.
Epidaurus ist ein symbolischer Ort;
der wirkliche Ort ist im Herzen, im Herzen jedes Menschen,
wenn er nur inne hält, um ihn zu suchen.
Jede Entdeckung ist insoweit geheimnisvoll,
als sie enthüllt, was so überraschend auf der Hand liegt,
was so nah ist und bereits so lange bekannt und vertraut.
Es ist wirklich "der Wasserfall" unter den vier anderen auch traumhaft schönen Fällen, an die uns arDaga führt. An unserem Wassertag duschen, baden, schlummern und träumen wir an Plätzen, die scheinbar nur für uns gemacht sind... An diesem einen Wasserfall sagt arDaga: "Wenn mich jemand fragen würde was ist Schönheit, dann würde ich ihn hierher führen".
Ich bette mich hinein, in den natürlichen Sessel, der sich im Becken oberhalb des großen Falls gebildet hat. Das Wasser umhüllt und durchspült mich, löst scheinbar Unlösbares und trägt es mit sich hinfort, den Fluss hinunter vielleicht bis ins Meer. "Ich lausche dem Fluss, tief unter mir, der rauschend und flüsternd von allem erzählt, was ich gesehen habe. Ein Fragezeichen des Abschieds und der Wiederkehr, das Zeichen des Reisenden." (Cees Noteboom)
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